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BurnIN - BurnOUT

Erloschenes Feuer

Erloschenes Feuer wieder zum Lodern zu bringen, ist schwer – eigentlich ist es unmöglich. Wer es doch schafft und sich über neu erwachtes, wärmendes, knisterndes und lebendiges Feuer freut, hat nicht das alte zum Leben erweckt. Er hat neues Feuer gemacht. Vielleicht sogar – oder sehr wahrscheinlich – auf einer anderen Feuerstelle, denn auf der alten liegt nur Schutt, der nicht als neuer Brennstoff taugt. All der Brennstoff, der dazu verwendet wurde, ist futsch. Verbraucht. Hat sich in Rauch aufgelöst und schwirrt nun als dematerialisierte Energie irgendwo herum – unerreichbar, unwiederbringlich. Alle Mühen, erloschenes Feuer wiederzubeleben, sind vergebens. Welch ein Frust!

Die Entscheidung, die alte Feuerstelle aufzugeben, ist schwer zu fällen. Zu begreifen, dass die gewohnten Brennstoffe und Energien nicht mehr zur Verfügung stehen, tut weh. Besonders dann, wenn beim Befeuern der nun verloschenen Feuerstelle viel Energie, viel Konzentration, viel Herzblut und viel Engagement verwendet wurde, fällt es schwer, den einst gefassten Plan aufzugeben, den man mit genau diesem Ziel verbunden hat. Menschen, die mit all ihren Kräften ihr inneres Feuer lebendig erhalten haben, geben nicht so leicht auf. Die Tatsache, dass die lodernde Flamme vielleicht über Jahre und Jahrzehnte hinweg mit Brennstoff versorgt wurde, damit sie immer weiter, Tag und Nacht am Leben erhalten wird, beweist die Ernsthaftigkeit, mit der hier zu Werke gegangen wurde. Ein Blick in die Umgebung zeigt, dass es auch andere Lebensentwürfe gibt. Rings herum lodern die Flammen der anderen Menschen. Nicht alle sind so hoch, nicht so wärmend, nicht so schillernd und nicht so energiegeladen wie bei dieser einen, unserer eigenen Flamme, am Höhepunkt ihrer Leistung. Es gibt auch einige erloschene Feuerstellen. Viele davon sind verlassen, an anderen wird noch herumgewerkelt, oft verzweifelt versucht, aus der noch schwelenden Glut wieder neues Leben herauszulocken. Es gibt auch eine ganze Reihe von mittelstark brennenden Feuern. Die Menschen, die dafür verantwortlich sind, kümmern sich nicht ständig darum, dass sich die Flammen möglichst hoch in den Himmel strecken, dafür umso liebevoller und umsichtiger. Dort ist man zufrieden, wenn das Feuer wärmt – nicht mehr und nicht weniger. Manchmal droht das Feuer auch auszugehen, bevor in letzter Minute ein neues Scheit Holz nachgelegt wird. Sorgsam ausgesucht, behutsam auf die Glut gelegt, nicht bevor die dafür passende Stelle oft mit viel Zeit ausgesucht wurde. Man kümmert sich um das Feuer, behütet und umsorgt es, zwingt es nicht zur Höchstleistung und freut sich daran, wenn es behagliche Wärme ausstrahlt.

Aber zurück zu den Feuerstellen, an denen nichts mehr geht. Alle zur Verfügung stehenden Energien sind aufgebraucht worden. Rücksichtslos wurden alle Ressourcen ausgebeutet. Mit Hektik, zwanghafter Geschäftigkeit, quälender Ruhelosigkeit sollte etwas am Leben erhalten werden, was … ja, was eigentlich? Wer sich so sehr darauf konzentriert, das Feuer lodern zu lassen, vergisst mit der Zeit, warum das eigentlich notwendig sein soll. Das Ziel gerät in den Hintergrund, denn es geht nur noch darum, ständig auf dem Höchstlevel funktionieren zu können. Bis zum Zusammenbruch. Burnout. Ausgebrannt. Ende. Übrig bleibt ein kahler Haufen, Rückstände verbrannter Energie. Deprimierend. Die Feuerstelle muss aufgegeben werden, Verlust, Versagen … Verzweiflung. Erst recht macht sich das Gefühl von Versagen breit, wenn vom verbrannten Material nur noch graue, übelriechende Asche übrig bleibt, die partout keinen Funken mehr hergeben will. Das ist nun der Moment, in dem die Entscheidung gefällt werden muss, ob die Feuerstelle aufgegeben oder wiederbelebt werden soll. Das Leben nach dem Burnout – wie kann es weitergehen?